|
![]() |

|
27.08.2008 - sl - Pakistan: Wilde Wasser, Eisige Höhen |
|
|---|
| Selbst als Laie, der nichts oder nur wenig vom Wildwasser versteht wird man am Uferrand des Indus in den Bann des tobenden, rauschenden und magischen Löwenflusses gerissen, und man beginnt zu verstehen... |
|
|
|
Wie auch schon ein Jahr zuvor zog es den Extrempaddler Bernhard Mauracher auch dieses Jahr wieder in den Bann des Löwenflusses um das Unschaffbare zu versuchen: die komplette Befahrung der gefährlichen RONDU Schlucht des Indus im Norden von Pakistan. Ein waaghalsiges Unternehmen, dass schon von einigen Paddlern versuchten, jedoch immer ohne Erfolg. 1971 wurde ein Versuch zur Befahrung der Schlucht rund um das Tiroler-Paddler-Team von Dr. Raimund Margreiter unternommen. Dieses Team konnte einige Erstbefahrungen innerhalb Pakistans verbuchen: 18km des GABRAL, 21km des ISKOMAN und GILGIT Rivers und schließlich je 27km und 53km des ASTOR und INDUS Rivers. |
|
|
| Die letzteren beiden Flüsse, Indus und Astor bargen für die damalige Expedition Schwierigkeiten von unüberwindbarem Ausmaß: die Durchbruchklamm des Astors und die 160 km lange Rondu Schlucht des Indus waren aufgrund von Material und fehlender Technik nicht zu bewältigen. 37 Jahre später wagt sich nun erneut eine Tiroler Expedition Aufzubrechen, um eine Befahrung der Rondu Schlucht zu wagen. |
|
Bernhard Mauracher, Bernhard Steidl, Peter Fink und der Schweizer Ron Fischer brechen am 23. März 2008 auf nach Pakistan. Nach Ankunft in der Hauptstadt ISLAMABAD und dem checken der Ausrüstung führt der Weg der Mannschaft weiter gegen Norden des Landes. Mit dem Flugzeug über den Karakorum, vorbei am K2, Nanga Parbat und etlichen anderen noch unbenannten 7000ern weiter nach SKARDU. Dort bietet sich beim Landeanflug ein berauschendes Bild: der noch blaue Indus schlängelt sich durch das sandige Braun des Skardubeckens, vorbei an unzähligen weißen Gipfeln. Bereits am 27.3. werden die Boote zum ersten Mal ins Wasser gelassen. An diesem ersten Tag konnte das Team ca. 20km gutmachen. Einpaddeln und Schonfrist sind nun vorbei und es beginnt ernst zu werden: am darauffolgenden Tag bestreiten die Paddler bereits die erste Etappe der Rondu Schlucht, mit vollem Erfolg und ohne Zwischenfälle
Am 31.3. ist es geschafft und die Rondu Schlucht wurde durch Bernhard Mauracher, Peter Fink, Bernhard Steidl und den Schweizer Ron Fischer bis auf 12 Umtragepassagen auf 160.km durch erreichen der Indus- Gilgit Mündung in weniger als 4 Tagen geknackt.
Foto links: Rondu Schlucht von oben |
|
|
Nicht genug
Dies war jedoch nicht die einzige Herausforderung, die sich das Team rund um Bernhard Mauracher stellte. Nach nur einem Ruhetag begeben sich die Paddler ins Astor Tal, um wie auch schon Dr. Margreiter, den hakeligen, von Syphonen und Unterspülungen übersäten Astor River zu paddeln. Im Gegensatz zu 1971 will Bernhard Mauracher nichts unversucht lassen um auch, wie es bis dato heißt, die unbefahrbare Durchbruchklamm zu bezwingen. Foto rechts: Bernhard Steidl am Astor River |
|
|
|
|
|
Das Astor Tal
Im Astor Tal auf ca. 3000m erwarten das Team Temperaturen um 18°C, Regen und die Unaufgeschlossenheit der hiesigen Bergbevölkerung. Am 6.4. knapp eine Woche nach dem Erfolg am Indus erfolgt der erste Boot Input am Astor River. Es werden einige Kilometer von den Kanuten gepaddelt, um sich auf den Fluss und die herannahende Klamm einstellen zu können. Nach einem Ruhetag im Camp versuchen sich zwei der Paddler, Ron Fischer und Bernhard Mauracher am Anfang der gefährlichen Durchbruchklamm. Beide setzten ihre Kajaks zu weit oben ein – es folgen furchtbare, anstrengende Umtrageportagen und anspruchvollstes Wildwasser, so dass es Fischer und Mauracher nur möglich ist 200m von ca. 2km zu bewältigen. Am Ende ihrer körperlichen und geistigen Kräfte stiegen die beiden Kanuten aus ihren Booten und kämpften sich über 300m lange Schotterreißen zur Straße empor. Die Befahrung der Klamm beginnt ins wanken zu geraten. Ist es überhaupt möglich die angrenzende Zwangspassage zu paddeln? Wird es gelingen die Indusmündung noch vor dem Einsetzen der Schneeschmelze zu erreichen? Ron Fischer und Bernhard Mauracher sind sich ihrer sicher noch einen Versuch zu wagen. Bereits einen Tag später gelingt den beiden das Unfassbare: Das Duo erreicht die Indusmündung und bezwingt die als unfahrbar geltende Durchbruchklamm des Astor Rivers. An den darauf folgenden Tagen bewältigt das gesamte Team noch ca. 60 km am Astor. Foto rechts: Einwohner in Arandu |
Expeditios Details: Ausrüstung: Kajaks: Dagger, Wave Sport, Riot, Bliss Stick Paddel: Ty warp, Kober Schutzbekleidung: Langer, Nookie Schuhe: Adidas, Scarpa Bekleidung: Adidas Daunenwäsche und Schlafsäcke: Carinthia Mountain equipment: Austrialpin Kosten & Finanzierung: Die gesamt Kosten belaufen sich auf ca. 38000 € plus 15000 € für die Ausrüstung. Die Finanzierung wurde komplett durch Sponsoren gedeckt. Vielen Dank an: Alpine Energie, Adidas, Ty- warp, Langer, Kober, Ceratizit, Carinthia, Scarpa, Austrialpin, Bichelmoser und Oberhofer, Rosenalm des weiteren: vielen Dank der Adventure Foundation Pakistan für den planmäßigen Ablauf und die tolle Unterstützung in allen Bereichen |
|
|
Mit 30 Sachen übern KKH
Vom 12 bis zum 13 April folgen zwei weitere, ruhigere, Paddeltage am Indus, von Gilgit bis zur Rakhiot Brücke und weiter nach Chilas. Der Teil des Indus ab Chilas ist für die Kanuten wegen politischer Auseinandersetzungen der Taliban tabu. Aus diesem Grund stehen der Mannschaft 13 Stunden Autofahrt am teilweise ungepflasterten Karakorumhighway mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ungefähr 30km/h bevor. Auf dieser zermürbenden Autofahrt ereilt das Team eine positive Nachricht: es wurde eine Einreisebewilligung nach KASHMIR gewährt. Dieser Teil des Landes befindet sich bereits seit 60 Jahren im Konflikt mit Indien. Somit besteht ein Einreiseverbot für Touristen. Der Tiroler Kajakexpedition jedoch wird es ermöglich nach Kashmir einzureisen und sogar die beiden Flüsse um die Hauptstadt MUZZAFARABAD, CHELUM & JEHLUM mit ihren Kajaks zu befahren. Dies ist eine Erfahrung die wohl kein europäischer Tourist, ob Paddler oder nicht, so schnell wiederholen wird. Sicherlich ein Nachteil den Kashmir bietet allerschönstes Wildwasser in allen Schwierigkeitsgraden. |
|
Heimreise
Nach diesen aufregenden Tagen in Kashmir folgt die Rückreise nach Islamabad. Von dort aus treten Peter Fink und Ron Fischer ihre Heimreise an. Für Bernhard Mauracher und Bernhard Steidl stand noch der Versuch der Besteigung des 8125m hohen NANGA PARBAT auf dem Programm. Auf Grund von starken Schneefällen und der Wetterlage mussten sie diesen jedoch Abbrechen. Die Erfolge der Kajakexpedition entschädigen jedoch für so einiges. Foto rechts: Lager 2 auf 6300m |
|
|
„Sturzfluss vom Nanga Parbat“ ist der neue Film aus der Produktion von Bernhard Mauracher. Zu sehen sind Filmaufnahmen aus dem Jahre 1971 und dem Abbruch der Kajakexpedition 2007. Das Hauptaugenmerk ist auf den Erfolg der diesjährigen Expedition gerichtet. Die Premiere ist am 29. August in St. Anton am Arlberg bei einem Bergfilmfestival. |
|
Text: Bernhard Mauracher, Niky Wegmair
Web-Tipp: www.bernhardmauracher.at||Bergfilmfest St. Anton |
|
|
|
|
Seitenanfang |