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26.01.2010 - ie - Unterwegs in Neuseeland - Resümee |
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Spätestens seit Geo-Special weiß man: Neuseeland ist ein Land der Kontraste! Karge Vulkanlandschaft vs grünster Regenwald, quadratkilometerweise nur Schafe vs Vögel von Albatros über Pinguin bis Kiwi, Mt Cook vs Golden Bay… Auch unsere Paddeltage bieten alles von „Fuck, wär ich doch bloß daheim geblieben“ bis „ Fuck in 2 Wochen geht ja schon mein Rückflug“. Wir haben unsere Erlebnisse zu einem ultimativen worst-case-day und einem the-best-ever-day zusammengefasst. Und dabei wird wohl klar, warum genau diese Mischung einen unvergesslichen Paddelurlaub ausmacht! (nicht erfunden!) |
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Worst day 5:45Uhr Letzte Nacht ging das Zelt kaputt. Stange gebrochen und die spitzen Glasfaserspreisseln haben im Nu das komplette Zelt aufgeschlitzt. Bravo! Jetzt müssen wir draußen schlafen, eingewickelt in unsere Biwak-Säcke. Die Nacht war saukalt. Langsam dämmert der Morgen. Am Fußende meines Biwak-Sacks erkenne ich Raureif. Mir wird noch kälter. Glücklicherweise wärmt die aufgehende Sonne ein wenig. Unglücklicherweise merken das auch die Sandflies und ein Millionengeschwader ist im Angriff. Ziel: Jedes Fleckchen unbedeckte Haut. Das Anti-Sand-Fly-Spray wirkt natürlich überhaupt nicht. Noch 2 Stunden wehre ich mich im Schlafsack; ziemlich erfolglos. Dann gebe ich auf und stehe auf. Das neuseeländische „Brot“ haben wir gestern leider aufgegessen, deswegen gibt’s zum Frühstück nur durchweichte Weet-Bix. Der Tag beginnt richtig gut. Außerdem fängt es wieder zu regnen an. So, das alles nass wird, aber trotzdem so, dass es die Sandflies überhaupt nicht zu stören scheint. Und die Pegel der Bäche reagieren natürlich überhaupt nicht. Best Day 9:00 Uhr Durch die offene Seitentür scheint die Sonne in mein Gesicht. In unserem Sushi-Track-Campmobil ist es immer noch schön angenehm kühl. Blue Sky, so muss es sein. Die Berge spiegeln sich im vor uns liegenden Lake Mahinapua. Zum Frühstück macht Maxi Omelett mit Pilzen, Spinat und Toast! Yummy yummy! |
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Worst Day 10:00 Uhr Auf unseren Camp-Platz fährt ein anderes Auto mit Booten auf dem Dach. Vielleicht wissen die ja wo man hier noch vernünftig paddeln gehen kann+ Im Auto sitzen zwei verrückt aussehende Australier, Bryce und Tim. Anscheinend läuft der Totara. Immerhin was besonderes, da ein Heli-Run. Zwar müssen wir dann wohl wieder etwas tiefer in die Tasche greifen, aber na ja… Zuerst allerdings wieder das Didymo-Prozedere: Alle Paddelsachen, Paddel und Boot für mindestens eine Minute ins Seifenwasser tauchen, damit der Parasit in den Paddelklamotten nicht auf den nächsten Bach überspringen kann! |
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Nach 45 Minuten Waschen im eiskalten Wasser ist die Motivation nicht gerade gestiegen. Noch dazu beim Gedanken daran, nachher gleich in die kalten, nassen Sachen steigen zu dürfen. Wir fahren los zum ersten Bach. Beim 3. Hügel müssen wir anhalten; der Van hat wieder zuviel Kühlwasser verloren und ist überhitzt. Wir haben natürlich vergessen, den Wasserkanister aufzufüllen und müssen jetzt unser letztes Trinkwasser dem Motor opfern. Die Schafe neben uns auf der Weide schauen interessiert zu. Am Bach angekommen gleich die nächste Überraschung: doch zu wenig Wasser (es hat doch die ganze Zeit geregnet?). Wir canceln den Heli-Trip und sparen so immerhin ein bisschen Geld. Alternative ist der Styx, allerdings müssen wir uns hier erst 2 Stunden mit Booten auf dem Rücken zum Einstieg hocharbeiten. Der „Track“ rauf zum Bach würde in Deutschland wohl schon fast als Klettersteig durchgehen. Was für eine Quälerei. Viel Wasser haben wir auf dem Bach auch nicht und die scharfkantigen Steine scheinen Spaß daran zu haben, Schrammen in unsere Boote zu ritzen. Bryce schwimmt auch noch und wir verbringen 30 Minuten damit, sein eingeklemmtes Boot wieder zu befreien. |
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Best-Day 10:00 Uhr Auf geht’s zum Bootfahren. Schnell Paddelsachen zusammenpacken, die nicht nur trocken sind, sondern dank Seifenwäsche vom Tag zuvor auch noch nach Zitrone duften! In einer halben Stunde ist Treffpunkt mit Bruce am Heliport. Zuerst wollte ich nicht mitfliegen, ein armer Student kann sich dann doch nicht alles leisten, aber nachdem Bruce dann um 30$ mit dem Preis runtergegangen ist… Dann jagen wir auch schon die Dirt-Road rauf zum Treffpunkt, dem gleichzeitigem Take-out, immer der Staubwolke von Tommy und James im Auto vor uns hinterher. Bruce ist pünktlich wie die Feuerwehr. Auf dem Flug hoch gibt’s Kurzbeschreibungen von ihm zu den einzelnen Rapids. Fast kein Scouten, sweet as! Nach 10 Minuten fliegen landen wir in Bilderbuchkulisse: grüner Urwald, glasklares Wasser und im Hintergrund nichts als schneebedeckte Berge! Ein paar Keas inspizieren neugierig unsere Ausrüstung. Hier ist der Fluss der einzige Weg zurück in die Zivilisation! Über dicke runde Steine geht es abwärts und es ist wie im Bouldergarden-Paradies. Bryce und Tim schwimmen zweimal; heut Abend gibt’s wieder Schwimmerbier, Juhuu! |
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Worst-Day 15:00Uhr Zurück am Auto. Zuerst scheint alles normal, doch dann: Autos geknackt! Bei Tommys Van ist die Beifahrertür aufgebrochen, bei den Australiern die komplette hintere Fensterscheibe eingeschlagen. Es fehlt: IPod, Geldbeutel, Handy, Rucksack mit Perso, sogar das Ersatzpaddel wurde geklaut! Nur der Sushi-Track von Maxi und mir blieb verschont. Die nächsten 2 Stunden verbringen wir auf der Polizeiwache mit Täterbeschreibung und Liste mit den fehlenden Sachen zusammenstellen. |
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Best-Day 15:00 Uhr Sophie hat uns zu ihrem Vater mitgenommen. Der bietet für Touristen Fishing-Trips auf dem Ozean an und lädt uns gleich zu einer Sonder-Tour ein. Wir sind sofort dabei. Mit dem Traktor fahren wir zum Hafen und springen in das wartende Boot. Mit Vollspeed schießen wir raus aufs Meer; fast so cool wie Kajakfahren. Dann heißt es Angel auswerfen. Auch ich hab immer gedacht, angeln wär stinklangweilig, aber weit gefehlt. Kaum ist der Angelhaken am Grund angelangt, ruckt es an der Angelschnur und schon hat einer angebissen, Dann heißt es 70 Meter Schnur wieder einholen und tataa, hier ist der Fisch. Noch besser: weil an unseren Angeln gleich 2 Haken baumeln, können wir mit ein bisschen Glück 2 Fische auf einmal rausziehen! Äußerst praktisch! Nur Tommy bleibt das Anglerglück verwehrt: Er ist nach 10 Minuten seekrank! Nach ca. 20 Fischen haben wir genug; das sollte fürs Abendessen reichen! Den letzten Fisch schenken wir den um uns kreisenden Albatrossen. Dann fahren wir wieder zurück. |
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Worst-Day 18:00Uhr Der Tag ist gelaufen. Zurück von der Polizeistation fahren wir wieder zum Camp. Es regnet mal wieder. Paddelsachen trocknen Fehlanzeige. Das Abendessen genießen wir im Stehen unter unserem 4 Quadratmeter Tarp (zum Sitzen fehlt der Platz). Nudeln kochen ging zwar noch, doch dann quittiert der Kocher seinen Dienst; kein Gas mehr. Lauwarme Nudeln mit kalter Sauce schmecken nicht besonders gut. Aufmunterung ist dringen nötig und man glaubt es kaum, aber Rettung naht: Nur 3 Minuten entfernt liegt der legendäre Lake Mahinapua Pub! Wenigstens etwas! Doch wie sollte es anders sein: Im Pub ist zwar die Hölle los, Eintritt ist aber nur für Kiwi-Bus-Reisende! Paddler sind hier unerwünscht! No chance und wir treten wieder den Rückweg an. Wir beschließen den Tag so schnell wie möglich zu beenden und liegen um 21Uhr im Bett. Best-Day 18Uhr Am Hafen erwartet uns Sophies Vater – mit einem Polizisten! Was haben wir falsch gemacht? Die Autoknacker wurden geschnappt! Dank unserer Beschreibung wurde die Bande ein Tag später an der Tanke 300km südlich vom Tatort erkannt und geschnappt! Das gesamte Diebesgut lagert auf der Polizeistation und wir dürfen gleich mitgehen und unsere Sachen wieder in Empfang nehmen. Bis auf ein Handy und eine Jacke ist alles unversehrt! Kurz bevor wir uns verabschieden wollen kommt noch der Gefängnistransporter, der die Gangster zur nächst größeren Polizeistation bringt. Wir dürfen unseren neuen Freunden zum Abschied winken. Hoffentlich haben die ihre Lektion gelernt. Zurück in Sophies Haus gibt es erst mal Abendessen: Grosses BBQ mit frisch gefangenem Fisch und jeder Menge Wein! Perfekt! Worst-Day 23:00Uhr Es ist auch schon wieder vorbei mit unserer Nachtruhe. 20 völlig betrunkene Kiwi-Bus-Reisende haben den Weg runter zum See gefunden und nehmen laut kreischend ein Mitternachtsbad, direkt neben unserem Camp. Wir werden zwar in Ruhe gelassen, aber erst als die letzten 2 Stunden später wieder zurück Richtung Pub torkeln, kehrt wieder Ruhe ein…Guten Nacht! Best-Day 23:00Uhr Nach so viel Essen können wir kaum noch laufen. Müssen wir aber zum Glück auch nicht. Sophies Dad hat ein Garten nämlich ein Hot-Pool (ja, mit Blubber-Blasen) und in dem lassen wir das Essen erst mal auf uns wirken (mit etwas zusätzlichem Wein). Irgendwann fällt uns auf, dass der Hot-Pool doch ganz schön heiß ist. Zum Abkühlen müssen wir aber praktischerweise einfach nur über die Strasse rennen und können uns schreiend ins Meer stürzen. Das perfekte Mitternachtsbad! |
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Video vom Kawarau River NEVIS BLUFF Fotos: Max Siech Text: Julian Mihé |
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