Die untere Rhoneschlucht

Die Rhone ist einer der größten Flüsse der Alpen, doch unter Paddlern ist er weniger bekannt als so mancher kleines Tiroler Rinnsal. Doch der tief eingeschnittene Fluss bietet mehr als so mancher Paddler sich erträumt. Ben Jung zeigt, wie es unten in der Schlucht trotz Kraftwerksregelung zu geht.

Die untere Rhoneschlucht
Artikel Die untere Rhoneschlucht Rhone

Quelle: Ben Jung

Der ein oder andere hat beim Überqueren des Furkapasses sicher schon einen Blick auf die Wasserfälle unterhalb des Rhonegletschers geworfen. Die Eismassen sorgen besonders im Hochsommer für extreme Wasserstände, die oft bis September für ordentlichen Paddelspass sorgen. Bereits vom Pass aus lässt sich erahnen, dass die dort unmittelbar beginnende Schlucht mit ihren Eingangswasserfällen nicht zu empfehlen ist. Von hier erstreckt sich das von den höchsten Schweizer Bergen gesäumte Rhonetal bis zum Genfersee. Die Rhone legt von top to bottom insgesamt 812 Kilometer zurück, eh sie sich ins Mittelmeer ergießt. Unser Fokus liegt allerdings auf den ersten 50 Kilometern und somit auf der unteren Rhoneschlucht (Fiesch bis Mörel). Vorab sollte erwähnt werden, dass die Rhone ein Gletscherfluss mit all seinen Tücken ist. Daher sollte unbedingt die Gletscherschmelze, die in der Regel nachmittags viel Wasser mit sich bringt, berücksichtigt werden. Für die von uns vorgestellten Abschnitte empfiehlt es sich, im Hochsommer vormittags einzusteigen und wenn möglich, vor der eintretenden Schmelze den Bach zu verlassen. An heißen Tagen kann es vorkommen, dass die Wassermenge bedingt durch den Gletscher bis auf das Doppelte ansteigt! Allerdings warten andere Abschnitte bei hochsommerlichen Wasserständen gerade am Nachmittag mit hervorragendem Wuchtwasser auf, die zum schnellen Feierabend-Run einladen.

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Quelle: Julian Schäfer

Nach einer recht frischen Nacht standen wir Anfang September am Einstieg der unteren Rhoneschlucht, nahe der Ortschaft Fiesch. Der Wasserstand bei der Brücke am Sägewerk lag bei geschätzten 10 Kubikmeter/sec, was sich für den ersten Run als perfekt herausstellte. Der Abschnitt beginnt mit dem bekannten Sägewerkskatarakt, der im DKV-Führer deutlich erwähnt wird. Aufgrund starker Verblockung und schier unüberwindbarer Flussmeter, die zudem mit Bäumen und Ästen gespickt sind, war es sinnvoll, den unterhalb gelegenen Einstieg anzuvisieren. Bereits nach den ersten Paddelschlägen werden die Felswände höher und die Rhone gräbt sich durch leicht verblocktes schönes Wildwasser, ehe sie die ersten traumhaften Katarakte bildet. Mehrere Stufen und längere genussvolle Steilabschnitte lassen das Paddlerherz höher schlagen. Highlight ist sicherlich ein etwas längerer Katarakt mit überschaubarem Gefälle und einer im Auslauf liegenden 3-Meter-Stufe. Im Anschluss kommen noch einige kleinere Stufen, kombiniert mit schönen Katarakten, umsäumt von einer einzigartigen Naturkulisse. Das Ende zeichnet sich durch die oben sichtbare Brücke ab, von der aus man vor der Fahrt auch den Wasserstand checken kann. Ab hier ändert sich der Charakter des Flusses zum offenen Kiesbett mit einigen schönen längeren Katarakten, die alle gut einsehbar parallel zur Straße verlaufen. Wer möchte, kann von hier aus weiter bis Mörel paddeln oder unmittelbar nach dem Schluchtausgang bei Grengiols aussteigen. Gerade der Abschnitt unterhalb der Bettmeralp-Gondelbahnen ist bei höheren Wasserständen sehr zu empfehlen, sollte aber nicht unterschätzt werden.
Eine umfassende Revierbeschreibung samt aller Wildwasserabschnitte der Rhone ist in KANU 5/2010 erschienen. Das Heft kann beim Atlas Verlag nachbestellt werden, alle Infos hier.

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Quelle: Ben Jung

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Quelle: Niels Müller

 

Text: Ben Jung
Paddler: Julian Schäfer, Ben Jung, Johannes Warmbier and Niels Möller

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TrustedPaddler
Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

1 Kommentar

  1. TrustedPaddler

    Bei höheren Wasserständen (knapp 20m^3) ist der letzte Teil der Schlucht kaum vom Bach aus scout- oder umtragbar. Vorher von der Brücke nach Holz sehen macht Sinn.
    Ansonsten traumhaftes Wildwasser, in einer wunderschönen Schlucht. Abbrechen zu müssen wäre allerdings wohl ein Alptraum der besonderen Art.

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